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Was ist ein Steuerfachwirt? Beruf, Alltag und Jobs

Ein Steuerfachwirt oder eine Steuerfachwirtin ist eine erfahrene Fachkraft der Steuerberatung, die ihr Können in einer Fortbildungsprüfung vor der Steuerberaterkammer nachgewiesen hat. Eine IHK-Prüfung ist das nicht: Die Kammern der Steuerberater nehmen sie als zuständige Stelle nach dem Berufsbildungsgesetz ab. Wer bestanden hat, bearbeitet in der Kanzlei die schwierigeren Mandate weitgehend selbst, bereitet Jahresabschlüsse und komplexe Steuererklärungen für den Steuerberater vor und kann Kolleginnen und Kollegen anleiten.

Wie das aussieht, zeigt ein gewöhnlicher Fall im Frühjahr. Eine Handwerker-GmbH schickt die Unterlagen für das abgelaufene Jahr. Du stellst den Jahresabschluss auf, bereitest Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuererklärung vor und klärst mit der Geschäftsführerin, warum die Rückstellung für einen Rechtsstreit so hoch ausfällt. Dann legst du alles dem Steuerberater vor. Kommt Monate später der Bescheid, prüfst du ihn und schlägst vor, ob sich ein Einspruch lohnt.

Grüne Ordner und ein grünes Heft neben einer Messinglampe auf einem Holztisch vor einer dunkelgrünen Wand
Symbolbild

Was ein Steuerfachwirt in der Kanzlei macht

Die Steuerberaterkammer Düsseldorf beschreibt in ihrer Prüfungsordnung, was ein Steuerfachwirt können soll: Steuerrecht in den wichtigen Steuerarten auf den einzelnen Mandanten anwenden, komplexe Steuererklärungen vorbereiten, Jahresabschlüsse für den Steuerberater anfertigen und Unternehmenszahlen betriebswirtschaftlich auswerten. Dazu kommen Aufgaben, die mit Steuern wenig zu tun haben. Du führst Mitarbeitende, planst den Personaleinsatz und wirkst bei der Ausbildung mit.

Gegenüber einer Steuerfachangestellten verschiebt sich damit der Schwerpunkt. Du buchst weniger selbst und prüfst mehr, was andere oder die Software vorbereitet haben. Das BERUFENET der Arbeitsagentur nennt außerdem Gespräche mit Banken, Fragen zu Schenkung, Erbschaft und Altersvorsorge sowie die Begleitung von Außenprüfungen als typische Aufgaben.

Eine Grenze bleibt. Steuererklärungen und Jahresabschlüsse für fremde Mandanten auf eigene Rechnung darf nur erstellen, wer nach dem Steuerberatungsgesetz dazu befugt ist, vor allem Steuerberater. Selbstständig machen kannst du dich als Steuerfachwirt nach § 6 StBerG mit laufenden Buchungen, Lohnabrechnungen und Lohnsteuer-Anmeldungen.

Wie du Steuerfachwirt wirst

Der übliche Weg führt über die Ausbildung zur Steuerfachangestellten und danach mindestens drei Jahre Praxis in der Steuerberatung, mit wenigstens 16 Wochenstunden. Mit einer anderen kaufmännischen Ausbildung, einem betriebswirtschaftlichen Studium oder langer Berufserfahrung ohne Abschluss ist die Zulassung ebenfalls möglich, dann mit anderen Praxiszeiten. Bei der Steuerberaterkammer Düsseldorf wird in vier Klausuren und einem mündlichen Teil geprüft. Zulassung, Termine, Durchfallquote und Kosten stehen bei der Weiterbildung zum Steuerfachwirt.

Der Abschluss hat einen Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird. Er verkürzt den Weg zur Steuerberaterprüfung: Nach einer kaufmännischen Ausbildung verlangt das Gesetz acht Jahre Praxis, mit bestandener Steuerfachwirtprüfung sechs. Was danach kommt, steht bei Steuerberater werden.

Was ein Steuerfachwirt verdient

Die Arbeitsagentur führt Steuerfachwirte in der Berufsgruppe der Spezialisten in der Steuerberatung. Dort liegt der Median bei 4.629 € brutto im Monat in Vollzeit, die mittlere Hälfte verdient zwischen 3.839 € und 5.772 €. Das ist gut ein Viertel mehr als bei den Fachkräften der Steuerberatung, zu denen die Steuerfachangestellten zählen. Zahlen nach Bundesland, Alter und Geschlecht findest du beim Gehalt als Steuerfachwirt.

Wo Steuerfachwirte arbeiten

Die meisten arbeiten in Steuerkanzleien und Steuerberatungsgesellschaften, andere in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, in der Unternehmensberatung oder in Anwaltskanzleien. Mit dem Wissen aus der Kanzlei stehen dir auch Stellen im Rechnungswesen von Unternehmen offen, etwa in der Finanz- oder Lohnbuchhaltung und in der Revision.

Gesucht werden Steuerfachwirte vor allem von größeren Kanzleien. In der Befragung STAX 2024 für die Bundessteuerberaterkammer gaben 42 Prozent der Berufsausübungsgesellschaften an, in den zwei Jahren zuvor Stellen für Steuerfachwirte besetzen zu wollen, bei den Einzelkanzleien waren es 12 Prozent. Leicht war das nicht: In den Gesellschaften blieben 49 Prozent dieser Stellen offen, in den Einzelkanzleien 65 Prozent.

Steuerfachwirt und KI: was bleibt, wenn Software mitdenkt

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bewertet für jeden Beruf, welcher Anteil der Kerntätigkeiten sich mit heutiger Technik vollautomatisch erledigen ließe. Für den Steuerfachwirt kommt es beim Stand der Technik von 2022 auf 80 Prozent. 2013 waren es 50 Prozent, 2016 und 2019 jeweils 70. Als ersetzbar gelten Buchführung, Jahresabschluss, das Anfertigen von Steuererklärungen, die Prüfung von Bescheiden und die Fristenüberwachung.

Nicht ersetzbar sind nach dieser Bewertung die Steuerberatung selbst, das betriebswirtschaftliche Urteil und das Büromanagement, also Organisation und Führung. Das IAB schränkt selbst ein: Was technisch möglich ist, wurde in der Vergangenheit nicht immer und nicht vollständig umgesetzt.

Unsere Einschätzung, keine amtliche Prognose: Der Beruf wird nicht überflüssig, aber er ändert sich. Wenn Belege automatisch gelesen und Erklärungen vorausgefüllt werden, braucht die Kanzlei jemanden, der die Ergebnisse prüft, Sonderfälle erkennt, Mandanten erklärt, was sich geändert hat, und das Team anleitet. Genau das verlangt die Steuerfachwirtprüfung schon heute. Wer dagegen vor allem Erklärungen nach Schema abarbeitet, spürt den Druck zuerst.

Die aktuellen Stellenangebote für Steuerfachwirte stehen direkt unter diesem Text. Weitere Anzeigen findest du über die Suche nach Jobs als Steuerfachwirt.

Quelle der Zahlen: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Berufsgruppe 72303 (Steuerberatung, Spezialist), Bruttomonatsentgelt in Vollzeit, Median und mittlere Hälfte, abgerufen am 30.09.2026. Die Werte beruhen auf den Meldungen der Arbeitgeber zur Sozialversicherung, nicht auf einer Umfrage.

Quellen zum Ausblick: IAB-Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Anteil ersetzbarer Kerntätigkeiten je Beruf (Stand der Technik 2022) sowie Entgelt, Beschäftigte, Arbeitslose und gemeldete Stellen der Berufsgruppe 72303 für 2019 bis 2024; IAB-Kurzbericht 5/2024 von Grienberger, Matthes und Paulus. Alle abgerufen am 30.09.2026. Die Einschätzung für die nächsten Jahre ist unsere eigene, keine amtliche Prognose.

Weitere Quellen: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Berufsgruppen 72302 (Steuerberatung, Fachkraft) und 72304 (Steuerberatung, Experte), BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit: Fachwirt/in Steuer, Rechtsvorschrift für die Fortbildungsprüfung zum Steuerfachwirt der Steuerberaterkammer Düsseldorf, Aus- und Fortbildung, Bundessteuerberaterkammer, STAX 2024, Sonderauswertungen Digitalisierung und Fachkräftemangel, im Auftrag der Bundessteuerberaterkammer, Steuerberatungsgesetz (StBerG), abgerufen am 30.09.2026.

Aktuelle Stellenangebote: Steuerfachwirt/in

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Häufige Fragen

Was ist ein Steuerfachwirt?

Ein Fortbildungsabschluss der Steuerberaterkammern für erfahrene Kräfte in der Steuerberatung, etwa Steuerfachangestellte mit mindestens drei Jahren Praxis. Steuerfachwirte bearbeiten schwierige Mandate, bereiten Jahresabschlüsse und Steuererklärungen für den Steuerberater vor und leiten Mitarbeitende an.

Ist der Steuerfachwirt eine IHK-Prüfung?

Nein. Die Prüfung nehmen die Steuerberaterkammern ab, als zuständige Stelle nach dem Berufsbildungsgesetz. Jede Kammer hat dafür eine eigene Prüfungsordnung.

Was verdient ein Steuerfachwirt?

Im Median 4.629 Euro brutto im Monat in Vollzeit, laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit für die Spezialisten in der Steuerberatung. Die mittlere Hälfte liegt zwischen 3.839 und 5.772 Euro.

Darf ein Steuerfachwirt selbstständig Steuererklärungen machen?

Für fremde Mandanten gegen Bezahlung nicht, das ist Steuerberatern und anderen nach dem Steuerberatungsgesetz Befugten vorbehalten. Erlaubt sind laufende Buchungen, Lohnabrechnungen und Lohnsteuer-Anmeldungen nach § 6 StBerG.

Wird der Steuerfachwirt durch KI ersetzt?

Nicht als Beruf. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hält 80 Prozent der Kerntätigkeiten für technisch ersetzbar, Stand der Technik 2022. Beratung, betriebswirtschaftliches Urteil und Führung gelten als nicht ersetzbar. Wir erwarten, dass Prüfen, Erklären und Anleiten wichtiger werden.